Perspektive Weiterbildung an der Hochschule Koblenz

Praxisnah. Authentisch. Inspirierend.


Kitas sind heute weit mehr als Orte frühkindlicher Bildung. Sie sind Anlaufstellen für Familien, wichtige Knotenpunkte im Stadtteil und oft erste Adresse, wenn Unterstützung gebraucht wird. Mit dieser Entwicklung wachsen auch die Anforderungen an Fachkräfte – insbesondere in der Kita-Sozialarbeit. Um sie gezielt darauf vorzubereiten, hat die Hochschule Koblenz den berufsbegleitenden Zertifikatskurs „Fachkraft für Kita-Sozialraumarbeit“ entwickelt. Für die Stadt Mainz wurde das Angebot individuell angepasst – und 20 Mitarbeitende gezielt für ihre anspruchsvolle Tätigkeit qualifiziert.


Bild: Gebäude der Hochschule Koblenz


Wie alles begann...

Kita-Sozialarbeit ist eine Form der unterstützenden Begleitung direkt im Alltag der Kindertagesstätte. Kita-Sozialarbeiter:innen sind Vertrauenspersonen für Kinder, Eltern und Erzieher:innen: Sie hören zu, beraten, erkennen Herausforderungen frühzeitig und vermitteln bei Bedarf weiterführende Hilfsangebote. Ziel ist es, Familien zu entlasten, Kinder zu stärken und ihnen faire Entwicklungschancen zu eröffnen. Der Sozialraum einer Kindertagesstätte umfasst das unmittelbare Umfeld der Einrichtung – also Familien, Nachbarschaft, Beratungs- und Bildungsangebote, Vereine und weitere Akteur:innen, die das Aufwachsen der Kinder und die Arbeit der Kita mitprägen. In den vergangenen Jahren entstanden bundesweit neue Stellen in diesem Bereich – auch in Rheinland-Pfalz. Mit der Änderung des rheinland-pfälzischen Kitagesetzes im Jahr 2021 und der Einführung des Sozialraumbudgets erhielten Kommunen erstmals gezielt finanzielle Mittel, um entsprechende personelle Strukturen aufzubauen.

Für Prof. Dr. Ralf Haderlein, Vizepräsident der Hochschule Koblenz und Studiengangsleiter des weiterbildenden Masterstudiengangs „Kindheits- und Sozialwissenschaften“, ist klar, warum damit neue Anforderungen verbunden sind: „Kita-Sozialarbeitende übernehmen eine zentrale Schnittstellenfunktion zwischen Kindertageseinrichtungen, Familien und dem sozialen Umfeld. Sie entlasten die Kita-Leitungen und arbeiten direkt mit Eltern an deren konkreten Sorgen und Unterstützungsbedarfen.“

Vor diesem Hintergrund entwickelte die Hochschule Koblenz den berufsbegleitenden Zertifikatskurs. An der Konzeption waren neben wissenschaftlichen Mitarbeitenden der Hochschule auch Vertreter:innen aus Landkreisen sowie Referent:innen aus dem zuständigen Landesministerium beteiligt. „Eine der größten Herausforderungen war es, ein gemeinsames Verständnis zwischen Hochschule, Praxis und Trägern zu entwickeln“, so Haderlein.

Fachkraft für Kita-Sozialraumarbeit

Anbieterin: Hochschule Koblenz gemeinsam mit der Stadt Mainz 
Abschluss: Zertifikat mit 40 Leistungspunkten
Umfang: 96 Unterrichtsstunden theoretischer Blockunterricht, in der Regel monatlich. Es wechseln sich online-gestützte Selbstlernphasen, Theorie-Praxis-Transfer und Präsenzzeiten ab. Die Module werden mit der Erbringung praxisbezogener Aufgaben abgeschlossen.
Dauer: 2 Semester, berufsbegleitend
Voraussetzung: Eine Zulassung ist ausschließlich mit Hochschulzugangsberechtigung und praktischer Erfahrung möglich. Berufserfahrung im Bereich Kindertageseinrichtung, Schule, Jugendamt oder vergleichbare Tätigkeit erforderlich.


Ein Weiterbildungsangebot, das zur Kommune passt

Das Grundprinzip des Zertifikatskurses ist seine Anpassungsfähigkeit. „Das Angebot wird nicht starr umgesetzt, sondern gezielt an die Bedarfe von Trägern und Kommunen angepasst“, erklärt Vizepräsident Haderlein. So auch im Fall der Stadt Mainz. Die Kommune entschied sich, den Zertifikatskurs als Inhouse-Schulung für ihre Mitarbeitenden einzukaufen. Grundlage war das bestehende Curriculum der Hochschule, das in enger Abstimmung mit der Stadt Mainz gemeinsam weiterentwickelt wurde. Zwei zusätzliche Module – Armutsprävention und Nachteilsausgleich – ergänzten auf Wunsch der Stadt Mainz das Angebot gezielt.

Die Hochschule Koblenz hat uns etwas wirklich Maßgeschneidertes entwickelt – sehr offen, sehr flexibel und orientiert an unseren konkreten Bedarfen.
Stefan Metzler
Koordination Sozialraumbudget bei der Stadt Mainz


Stefan Metzler, bei der Stadt Mainz für die Koordination des Sozialraumbudgets zuständig, erinnert sich an die Entscheidungsphase: „Wir haben uns verschiedene Weiterbildungen am Markt angeschaut. Aufbau und Inhalte des Angebots der Hochschule Koblenz haben uns sofort überzeugt – fachlich wie konzeptionell.“ Entscheidend war aus Sicht der Stadt die enge, flexible und partnerschaftliche Zusammenarbeit: „Da hat uns die Hochschule wirklich etwas Maßgeschneidertes entwickelt – orientiert an unseren konkreten Bedarfen“, beschreibt Metzler den Prozess.

Der Austausch zwischen der Hochschule Koblenz und der Stadt Mainz war kontinuierlich und unkompliziert, mit viel Gestaltungsspielraum, einem klaren Blick auf regionale Besonderheiten und einer konsequent trägerübergreifenden Perspektive. Die Offenheit der Hochschule zeigte sich auch darin, gezielt weitere Praktiker:innen wie Expert:innen und Dozierende in die Lehre einzubinden. So entstand eine wissenschaftlich fundierte Weiterbildung, die zugleich sehr nah an der konkreten Praxis der Stadt Mainz blieb.

Die Lehrveranstaltungen fanden an einem zentralen Tagungsort in Mainz statt, die Seminare wurden während der regulären Arbeitszeit durchgeführt. Für die Stadt war bewusst klar: Die Qualifizierung sollte wissenschaftlich fundiert sein – und zugleich praxisnah umsetzbar. „Diese Verbindung aus wissenschaftlichem Blick und kommunaler Erfahrung hat für einen enormen Mehrwert gesorgt“, so Metzler.

Weiterbildungen an Hochschulen entfalten ihr Potenzial dann, wenn sie nicht theoretisch und abstrakt bleiben, sondern sehr konkret in der Praxis verankert sind.
Prof. Dr. Ralf Haderlein
Vizepräsident der Hochschule Koblenz
Foto: Porträtbild eines Herren
Foto: Porträt eines Herren
Foto: Porträtbild eines Herren
Foto: Porträt eines Herren
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Das Weiterbildungsangebot

Der Zertifikatskurs qualifiziert Fachkräfte gezielt für ihre Schnittstellenfunktion zwischen Kindertageseinrichtungen, Familien und dem sozialen Umfeld. Online-gestützte Selbstlernphasen wechseln sich mit Präsenzveranstaltungen und einem strukturierten Theorie-Praxis-Transfer ab.

Der zweisemestrige Zertifikatskurs umfasst unter anderem folgende Module:

  • Fachliche Grundlagen der Kita-Sozialraumarbeit
  • Rechtsorientierung für den beruflichen Alltag
  • Kooperation, Vernetzung und multiperspektivische Intervention
  • Ressourcenorientierte und kreative Methoden mit Kindern, Eltern und Familien
  • Professioneller Umgang mit Kindeswohlgefährdung, Kinderschutz und Kinderrechten
  • Gesprächsführung und Kommunikation in diversitätsgeprägten Settings
  • Partizipative Sozialraumorientierung und Sozialraumanalyse


Struktur & Umfang der Weiterbildung

Der Zertifikatskurs „Fachkraft für Kita-Sozialraumarbeit“ ist als berufsbegleitende Weiterbildung konzipiert. Er verbindet wissenschaftlich fundierte Inhalte mit einem Fokus auf die Anforderungen des Berufsalltags und richtet sich an Fachkräfte, die bereits in Kitas oder angrenzenden sozialpädagogischen Arbeitsfeldern tätig sind. Ziel ist es, Handlungskompetenzen für die sozialräumliche Arbeit mit Familien zu vermitteln und diese systematisch mit einem konsequenten Theorie-Praxis-Transfer zu verknüpfen.
Der allgemeine Zertifikatskurs der Hochschule Koblenz umfasst in der Regel:

  • 12–13 Blockveranstaltungen, jeweils freitags und samstags (8:00 bis 17:00/18:00 Uhr)
  • Präsenzphasen an der Hochschule Koblenz sowie ergänzende Online-Formate
  • Begleitete Selbstlernphasen und prüfungsrelevante Studienleistungen


Für die Stadt Mainz wurde dieser Aufbau auf Grundlage des bestehenden Curriculums maßgeschneidert angepasst:

  • Durchführung während der regulären Arbeitszeit
  • Freistellung von sechs Stunden pro Woche für Vor- und Nachbereitung
  • Umsetzung als Inhouse-Format an einem zentralen Tagungsort in Mainz

So entstand ein Weiterbildungsformat, das wissenschaftlichen Anspruch und kommunale Arbeitsrealität sinnvoll zusammenführt.


Die Besonderheiten des Angebots

Ein zentrales Merkmal des Zertifikatskurses ist die konsequente Verknüpfung von Theorie und Anwendung. Statt abstrakter Fallbeispiele stehen reale Fragestellungen aus dem Berufsalltag der Teilnehmenden im Mittelpunkt. Sozialraumanalysen, Fallbesprechungen, Gruppenarbeiten und moderierte Diskussionen bilden den Kern der Module. Gerade in der Zusammenarbeit mit der Stadt Mainz zeigte sich die Stärke dieses Ansatzes: Inhalte, Formate und Abläufe wurden flexibel gestaltet, regionale Besonderheiten berücksichtigt und unterschiedliche Trägerperspektiven systematisch einbezogen. Zudem wurden gezielt weitere Praktiker:innen in die Lehre eingebunden. Anschlussfähig ist das Angebot auch mit Blick auf die hochschulische Weiterqualifizierung: Es werden 40 Leistungspunkte erworben, die sich im berufsbegleitenden Weiterbildungsmaster „Kindheits- und Sozialwissenschaften“ anerkennen lassen.

Kurz zusammengefasst:

  • Anwendungsorientiert: Arbeit an konkreten Fällen und Sozialräumen
  • Flexibel: passgenaue Anpassung an kommunale Bedarfe
  • Trägerübergreifend: Perspektiven verschiedener Trägerschaften einbezogen
  • Anschlussfähig: 40 Leistungspunkte, anrechenbar im Weiterbildungsmaster


Zielgruppe des Angebots

Der Zertifikatskurs richtet sich an qualifizierte Fachkräfte, die in der Kita-Sozialarbeit tätig sind oder tätig werden möchten. Bei der Stadt Mainz war die Teilnahme für die ausgewählten Mitarbeitenden verpflichtend – wurde jedoch schnell als Chance wahrgenommen: „Das Feedback unserer Teilnehmenden war durchweg positiv. Für viele war es deutlich mehr als eine Pflichtveranstaltung“, berichtet Stefan Metzler. Für Ana Maria Suta, Kita-Sozialarbeiterin bei der Stadt Mainz und Absolventin des Kurses, war die enge Anbindung an den Berufsalltag der größte Gewinn: „Ich habe die Weiterbildung als sehr praxisnah erlebt. Der wissenschaftliche Teil war wichtig, aber nicht dominant.“ Und nach einem Jahr intensiver Weiterbildung steht für sie fest: „Ich freue mich jetzt sehr darauf, nach diesem Jahr voller Arbeit und Investition den neuen Werkzeugkoffer an kreativen Methoden im Berufsalltag mit den Familien auszuprobieren.“

Meine Perspektive: Ana Maria Suta


Foto: Bild einer Dame in einer Kindertagesstätte
Ich freue mich sehr darauf, meinen neuen Werkzeugkoffer an kreativen Methoden im Berufsalltag mit den Familien auszuprobieren.
Ana Maria Suta
Kita-Sozialarbeiterin bei der Stadt Mainz und Absolventin des Kurses


Im Gespräch: Ana Maria Suta

„Die Vereinbarkeit mit meiner Vollzeitstelle war eine Herausforderung.“

Ana Maria Suta, 35 Jahre, bringt mehrere Hochschulabschlüsse und umfassende theoretische Kenntnisse in der Kindheitspädagogik mit. Als sie im Rahmen ihrer Tätigkeit bei der Stadt Mainz die verpflichtende, zweisemestrige Weiterbildung zur Fachkraft für Kita-Sozialraumarbeit absolvierte, stellte sich für sie die Frage, welche zusätzlichen Impulse diese Qualifizierung für ihre Praxis bereithalten würde. Im Interview berichtet sie von ihren Erfahrungen.

  • dropUp-iconMit welchem Gefühl sind Sie in die Weiterbildung gestartet?

    Ehrlich gesagt war ich anfangs eher skeptisch. Ich habe bereits mehrere Hochschulabschlüsse und habe mich gefragt, ob mir eine weitere Weiterbildung wirklich etwas Neues bringen kann. Für mich war klar: Wenn, dann muss sie sehr praxisnah sein. Theorie hatte ich schon viel – ich wollte etwas, das mir im Arbeitsalltag konkret weiterhilft.

  • dropdown-iconGab es einen Moment, in dem sich diese Skepsis gelegt hat?

    Ja, relativ früh. Vor allem durch die vielen Austauschformate und die Arbeit an konkreten Praxisfragen. In den Gruppenarbeiten kamen die unterschiedlichen Perspektiven der Teilnehmenden und verschiedener Träger zusammen, und genau das hat die Inhalte lebendig gemacht. Da habe ich gemerkt: Das hier ist keine reine Wissensvermittlung, sondern echte Auseinandersetzung mit dem Berufsfeld.

  • dropdown-iconWas nehmen Sie fachlich ganz konkret aus dem Zertifikatskurs mit?

    Besonders wertvoll fand ich die Methoden für die sozialräumliche Arbeit – zum Beispiel, wie man eine Sozialraumanalyse systematisch aufbaut. Auch die kreativen Ansätze zur Zusammenarbeit mit Eltern haben mir neue Möglichkeiten eröffnet. Das sind Dinge, die ich direkt in meinem Arbeitsalltag einsetzen kann.

  • dropdown-iconWas war für Sie persönlich die größte Herausforderung während der Weiterbildung?

    Ganz klar die Vereinbarkeit mit einer Vollzeitstelle. Auch wenn wir für die Weiterbildung freigestellt waren, haben vor allem die Studien- und Prüfungsleistungen viel zusätzliche Zeit erfordert. In intensiven Phasen habe ich abends und am Wochenende gearbeitet. Das war anspruchsvoll – und sollte bei berufsintegrierten Formaten immer realistisch mitgedacht werden.

  • dropdown-iconUnd heute, mit dem Zertifikat in der Tasche: Würden Sie es wieder machen?

    Ja, auf jeden Fall. Ich fühle mich jetzt sehr gut vorbereitet und motiviert, die vielen Impulse umzusetzen. Die Weiterbildung war für mich nicht nur eine Qualifizierung, sondern auch eine große Bereicherung durch den Austausch mit Kolleg:innen. Genau das macht für mich den Wert solcher Angebote aus.


Wie geht es weiter?

Der Zertifikatskurs vermittelt nicht nur Methoden, kreative Impulse und neues Handwerkszeug für den Berufsalltag. Für viele wirkt die hochschulische Weiterbildung auch langfristig auf die berufliche Entwicklung: „Mit der zweisemestrigen Fachweiterbildung haben die Teilnehmenden durch die Anerkennung im Grunde schon einen halben Master in der Tasche“, erklärt Stefan Metzler. Mehrere Mitarbeitende der Stadt Mainz entschieden sich deshalb, direkt im Anschluss den Weiterbildungsmasterstudiengang zu absolvieren.

Für Prof. Dr. Haderlein zeigt das Beispiel Mainz, wie hochschulische Weiterbildung wirken kann: „Weiterbildungen an Hochschulen entfalten ihr Potenzial dann, wenn sie nicht theoretisch und abstrakt bleiben, sondern sehr konkret in der Praxis verankert sind.“ Das sieht auch Stefan Metzler von der Stadt Mainz so: „Praxisnah bedeutet für uns: Was hat das mit meiner Kita, meinem Stadtteil, meiner Stadt Mainz zu tun?“ Entsprechend ist die Entscheidung gefallen: Die Qualifizierung von Kita-Sozialarbeitenden gemeinsam mit der Hochschule Koblenz bleibt kein einmaliges Projekt. Ein weiterer Durchlauf ist bereits geplant.

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Foto: Porträtbild eines Herrn
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Prof. Dr. Ralf Haderlein

Hochschule Koblenz
Telefon: +49 261 9528-25296
E-Mail: maks@hs-koblenz.de


Weitere Stimmen aus der Praxis: Lassen Sie sich inspirieren!


Foto: Ein Mann und eine Frau sitzen gemeinsam an einem Tisch mit einem Laptop und schauen sich etwas auf dem Bildschirm an.

Perspektive Weiterbildung

In unserer Serie teilen echte Menschen ihre Erfahrungen, Herausforderungen und Erfolge rund um Weiterbildungen an Hochschulen – authentisch und direkt aus der Praxis. Dabei gibt hoch & weit Einblicke in die Sichtweisen von Weiterbildungs-Teilnehmer:innen, Hochschulen und Wirtschaft.
Praxisnah. Authentisch. Inspirierend.

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